Polnischen Kellnern über die Schulter geschaut

In der Gastronomie ist der Anteil an ausländischen Arbeitskräften recht hoch. So habe ich schon mit tschechischen, italienischen, griechischen, türkischen und auch polnischen Kollegen zusammen gearbeitet und dabei interessante Erfahrungen gesammelt.

Zunächst finden es die Gäste in einem Restaurant nicht ungewöhnlich oder schlimm, von einem Ausländer bedient zu werden. Manche fühlen sich dann sogar in ihrer „Der-Gast-ist-König“-Rolle noch bestärkt, winken den Kellner ständig an den Tisch, beschweren sich über jede Kleinigkeit, machen dumme Bemerkungen oder haben ausgefallene Sonderwünsche. Komischerweise verhalten sich viele Deutsche auch im Ausland so, wobei sie hiermit aber nicht weit kommen.

Einmal kellnerte ich im Thüringer Wald Hotel mit einem polnischen Kollegen, der schon viele Jahre in Deutschland als Kellner gearbeitet und sich an die merkwürdigen Ansprüche deutscher Gäste gewöhnt hatte. Er war immer flink und freundlich, doch wenn ihm die Gäste zu schwierig wurden, ließ er einfach den Polen raushängen. Er tat dann einfach so, als würde er nichts verstehen, brachte das falsche Essen, verschüttete Getränke auf dem Tisch und verrechnete sich auch beim Abkassieren. Dadurch konnte der so unangenehme Gäste erst recht auf die Palme bringen und wenn sie sich dann so recht über ihn aufregten, hatte er seinen Spaß dabei.

Etwas Ähnliches konnte ich auch schon mal im Hotel Rewal in Polen selbst erleben. Mit unangenehmen, arroganten oder sehr peniblen Gästen macht man sich hier einfach einen Spaß. Irgendwann geben die Gäste dann einfach auf, weil sie merken, dass sie mit Freundlichkeit viel mehr erreichen und auch besser bedient werden. Am Ende bekamen die Kellner von den anfänglich schwierigen Gästen das meiste Trinkgeld.

Für mich war es immer sehr lehrreich, polnischen Kellnern über die Schulter schauen zu können.

Dieser Beitrag wurde erstellt in Verhaltensregeln und hat die Schlagworte Hotel, Restaurant, Trinkgeld.

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