Während meiner Ausbildung als Kellner durfte ich für mehrere Monate immer wieder in einen anderen Gastronomiebetrieb hineinschnuppern, um meine Kenntnisse zu erweitern. Wir hatten die Vorgabe, mindestens einmal in einem Eiscafé, in einem exklusiven Restaurant, in einer rustikalen Kneipe und in einer modernen Bar zu arbeiten und konnten uns beim letzten Praktikum für ein beliebiges Gastronomieunternehmen entscheiden.
Mir war es stets wichtig, alle Tätigkeitsfelder kennen zu lernen und offen für Neues zu sein. Das Arbeiten im Eiscafé zählte jedoch nicht zu meinen Lieblingsarbeiten: Zwar mochte ich es hier, in legerer Kleidung zu bedienen und mich locker zu unterhalten, doch fehlte mir auch der respektvolle Umgang, wie er in meiner aktuellen Arbeit zu finden ist. So wie ich auch jetzt das edle Ambiente schätze, hatte ich schon bei meinen Praktika am meisten Freude in noblen Restaurants. Ein Plissee Faltstore am Fenster in roter Farbe fand sich in Servietten und Tischdecken wieder, und auch die Kellner wurden häufig im Dresscode schwarz-weiß gekleidet. Ich musste mir nicht nur verschiedene Weinsorten merken, um diese den Gästen anzubieten, sondern auch zahlreiche Delikatessen und Spezialgerichte des Hauses kennen. In einem schicken Restaurant muss man sehr viel lernen, sich stets unter Kontrolle haben. Dafür wird man aber von allen respektiert und fühlt sich in der edlen Kleidung wie ein anderer Mensch. Während es in rustikalen Kneipen meist egal ist, ob es sich beim Sonnenschutz am Fenster um Vorhänge oder ein einfaches Rollo handelt, gibt es in modernen Bars oft ein bedrucktes Plissee der Extraklasse.
Ich würde sagen, dass mein liebstes Restaurant das ist, in dem ich heute arbeite. Ich liebe das Edle und Exklusive, das sich komplett von meinem Privatleben abhebt. Hier kann ich zeigen, welche kellnerischen Fähigkeiten ich drauf habe, dass ich mich mit Wein ebenso auskenne wie mit Kaffee, Käse und Lachs, dass ich bedienen und rechnen kann, stilvoll serviere und alle Menschen schätze – eben weil ich in meinem Traumjob arbeite.